Dr. Wolfgang Stegemann
Dr. Wolfgang Stegemann

Epistemologische Notiz

Mein epistemologischer Ansatz, den ich in etwa als ontologischen nicht-reduktiven Materialismus bezeichnen würde lässt sich in Stichworten wie folgt darstellen Allgemein: Der Mensch ist wie alle Lebewesen ein selbstorganisierendes System, das den Austausch mit seiner Umwelt, wie alle anderen, auf seine eigene Art und Weise regelt. Diese lässt sich beschreiben als durch ein Zentralnervensystem geregeltes (die anderen Regelungslogiken beschreibe ich an anderer Stelle). Unter den Zentralnervösen gilt die menschliche Regelungslogik durch die Spezifik seines Gehirns als differenzierteste. Darüber hinaus nimmt er keine weitere Sonderstellung ein. Hieraus lassen sich ethische Schlussfolgerungen ableiten. Leib-Seele: es gibt keinen Leib-Seele Dualismus. Alles Mentale ist eine Funktion des Organismus, in Besonderheit des Zentralnervensystems, in Besonderheit des menschlichen Gehirns. Die Unterschiede liegen allein in der Beschreibung der historisch entwickelten Wissenschaftsdisziplinen und der Philosophie. Eine einheitliche Beschreibung lässt sich herstellen, indem die Kategorien übersetzt werden. Eine Systemtheorie des Menschen kann dies leisten. Erkenntnistheorie: Aus der Neuropsychologie wissen wir, dass der Mensch die Welt im Kopf konstruiert, er macht sich also ein Bild von der Welt. Die Konstruktion entspricht der realen Welt soweit, dass er sich darin angemessen bewegen kann. Die darüberhinausgehende metaphysische Welt wird wahrscheinlich immer weiter entschlüsselt werden im Sinne einer Konvergenz zwischen Physik und Metaphysik. Methodologie:  Während der Reduktionismus immer kleinere Skalen analysiert und meint, damit die Welt erklären zu können, muss neben der Analyse auch die Synthese erfolgen. Erst diese kann die Komplexität der Welt angemessen darstellen. Ansonsten ließen sich alle Phänomene auf Quantenzufälle reduzieren, was keinerlei Erkenntnisgewinn brächte. Entwicklung ist eine Abfolge von Emergenzen, die regulativ auf ihre Elemente wirkt und Ausgangspunkt der weiteren Entwicklung ist. Sie hat ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten, die auf dieser Ebene beschrieben werden müssen. Dort müssen allgemeine Prinzipien der Selbstorganistion gefunden werden. Die Methode bei der Entwicklung meines systemtheoretischen Modells des Menschen am Beispiel ‘Bewusstsein’, die man in Anlehnung an Husserl als phänomenologische Reduktion bezeichnen könnte, in Kurzform:
Schritt 1: Was ist Bewusstsein: Antwort: Eine Eigenschaft des Gehirns als Emergenz.
Schritt 2: Was ist das Wesen/Prinzip dieser Emergenz, was ist also allen (vorangegangenen) Formen gleich (nicht in naturalistischem Sinn, sondern im phänomenologischen). Antwort: es handelt sich um Regulationssysteme, mit denen der Außen- sowie der Innenbezug geregelt wird.
Schritt 3: was ist das Spezifische des Gehirns. Antwort. Es arbeitet bioelektrisch, verarbeitet und generiert Bedeutungen.
Schritt 4: Wie lässt sich diese Arbeitsweise im Einzelnen beschreiben. Antwort (Beispiele): Physiologisch durch die Tätigkeit von Neuronen. psychologisch als Herstellung von Identität, Neuropsychologisch als Konstruktion von Bildern etc. pp.
Will man das Gehirn als das verstehen, was es ist (also nicht nur Biomasse), dann muss man es als Phänomen betrachten und kann es dann aus allen möglichen Perspektiven beschreiben, ohne einem Dualismus, Naturalismus oder Reduktionismus verfallen zu müssen. Die harte Frage der Neurowissenschaft, wie aus Physik Gedanken entstehen, kann nur auf eine solche ganzheitlich Weise beantwortet werden, denn der (gesellschaftliche) Begriff 'Gedanke' lässt sich nicht mit physikalischen Begriffen allein darstellen. Z.B. bezieht man bei einem Computer die Außenwelt ein, wenn man ihn mit externen Daten füttert. Ebenso bestehen Reize, die das menschliche Gehirn verarbeitet, nicht nur aus physikalischen, sondern ebenso aus bedeutungshaften Elementen. Möglicherweise ist der Bedeutungsaspekt eines Reizes größer als der physikalische und lässt sich eines Tages messen.